Zur Rekonstruktion der Tänze werden zeitgenössische Quellen verwendet. Erste geeignete Manuskripte sind aus dem 15. Jahrhundert bekannt. Im Lauf der Zeit haben es die Menschen immer wieder für wichtig erachtet, die Tänze ihrer Epoche aufzuschreiben, weshalb sie für die Nachwelt erhalten geblieben sind.
Diese Werke sind manchmal recht leicht zugänglich, wenn sie präzise beschreiben, wie die Bewegungen und Raumwege auszuführen sind. Es gibt jedoch auch Tanzschriften, die sich einer Rekonstruktion hartnäckig verweigern. Außerdem sind auch die Vorgehensweisen bei der Beschreibung der Tänze höchst unterschiedlich.
Eine Möglichkeit besteht darin, mit Worten die Schritte, Aktionen, Gesten usw. auszudrücken, die man für einen bestimmten Tanz ausführen muss. Zusammen mit der entsprechenden Musik eine kann sich hieraus eine verständliche Beschreibung des Tanzes ergeben. In diesem Fall ist dann eine Rekonstruktion des Tanzes möglich
So sind zum Beispiel in italienischen Tanzbüchern des 16. Jahrhunderts an einer Stelle die auszuführenden Schritte mit Schrittbezeichnungen definiert. In der Beschreibung der Tänze werden diese Bezeichnungen dann verwendet.
Eine andere Möglichkeit ist die Entwicklung einer Tanzschrift. Wieder werden die Schritte an einer anderen Stelle definiert, dann wird jedoch den Schritten ein Symbol zugeordnet. Die Beschreibung des eigentlichen Tanzes besteht dann aus einer Folge von Bildtafeln mit darauf abgebildeten Symbolen, aus denen dann der Tanz zu lesen ist.
Es gibt nur wenige Bücher, die einem Laien detailliert beschreiben, wie ein Tanzstil ausgesehen hat und wie die entsprechenden Quellen zu lesen sind. Ein Beispiel hierfür ist Wendy Hiltons Buch "Dance and Music of Court and Theater" über Tanz im 18. Jahrhundert. Hilton beschreibt detailliert nicht nur, was es für Tänze gibt, sondern auch wie sie notiert sind und wie sie zu üben und schließlich auszuführen sind.
Meistens ist man aber darauf angewiesen, selbst die Quellen zu studieren. Außerdem hat sich für die gebräuchlichen Tanzepochen in den meisten Fällen ein bestimmter Stil entwickelt, der von den einschlägigen Lehrern gepflegt wird. Dieser Stil wird jedoch auch ständig weiter entwickelt und unterliegt fortlaufenden Veränderungen. Ein von Prof. Taubert in den 70er Jahren gelehrtes Menuett unterscheidet sich in fast allen Aspekten von einem Menuett, wie es heute z.B. von Deda Christina Colonna oder von Lieven Baert gelehrt und aufgeführt wird. |